Mein Leben lang habe ich immer wieder neu angefangen. Neue Wege, neue Projekte, neue Orientierungen. Nicht weil ich einen bewussten Drang verspürte, ständig etwas verändern zu müssen, sondern weil ich innerlich immer bereit war, es zu tun. Veränderung war nie ein Ziel - sie war die einzige Konstante.
Wer offen ist, erkennt Chancen
Es ist ein Unterschied, ob man aktiv nach Neuem sucht oder ob man einfach offen dafür ist. Wer innerlich bereit ist, sich zu verändern, der erkennt Chancen, wenn sie auftauchen. Nicht weil er sie herbeigerufen hat, sondern weil er sie nicht übersieht. Gelegenheiten gibt es ständig - die meisten Menschen sehen sie nicht, weil sie nicht damit rechnen, dass sie kommen könnten.
Bei mir war das nie anders. Alles, was sich in meinem Leben ergeben hat, kam nicht aus einem großen Plan. Es kam aus der Bereitschaft, offen zu sein für das Außergewöhnliche.
Vom ersten Gedanken bis zum ersten Video - drei Jahre
Ich sage das, damit niemand denkt, ich sei jemand, der impulsiv handelt. Ganz im Gegenteil. Von dem Moment, in dem ich zum ersten Mal dachte, dass ich ein YouTube-Video drehen könnte, bis zu dem Tag, an dem ich es tatsächlich getan habe, vergingen drei Jahre. Drei Jahre, in denen ich innerlich reifen musste, bis ich wirklich bereit war, es zu versuchen.
Damals startete ich mit meinem Kanal Mr. Laguiole. Ich stellte Laguiole-Taschenmesser vor - ein Thema, das mich seit Jahren begeisterte und über das ich viel zu sagen hatte. Das war der Anfang.
Sechs Jahre Erfahrung für den nächsten Schritt
Sechs Jahre später war ich von der Erfahrung her an einem Punkt, an dem ich den nächsten Schritt gehen konnte: Videopodcasts mit anderen Menschen führen. Das klingt wie eine kleine Weiterentwicklung, ist aber tatsächlich ein komplett anderes Konzept. Ein Gespräch über zwei Stunden zu führen, jemanden zu begleiten, ihn sprechen zu lassen, die richtigen Fragen zu stellen - das erfordert ganz andere Fähigkeiten und eine ganz andere Vorbereitung als das Vorstellen eines Messers vor der Kamera.
Ich hätte das nicht in Jahr eins gekonnt. Ich war in Jahr sieben bereit dafür. Und das ist vollkommen in Ordnung.
59 ist nur eine Zahl
Wenn ich heute gefragt werde, warum ich mit 59 noch einmal etwas Neues starte, dann antworte ich: Weil 59 nur eine Zahl ist. Eine vollkommen bedeutungslose Zahl, wenn es darum geht, ob man bereit ist, eigene Grenzen zu überschreiten.
Diese Bereitschaft kann mit 25 da sein. Mit 40. Mit 55. Oder man macht die Veränderung zur Grundhaltung des Lebens - dann spielt das Alter tatsächlich keine Rolle mehr. Dann ist nicht die Frage, ob man noch etwas Neues beginnen kann. Dann ist die Frage nur, was als Nächstes kommt.
Die nächste Chance kann schon morgen da sein
Und das ist für mich das Aufregende an dieser Haltung: Man wartet nicht. Man bereitet sich täglich vor, gibt sein Bestes und bleibt offen. Und dann kommt die nächste Veränderung, die nächste Gelegenheit, die nächste Chance - nicht irgendwann, sondern vielleicht schon morgen.
Das ist kein Zustand der Unruhe. Es ist ein Zustand der Lebendigkeit.
Justin